Seltenes Fundstück – Update!
// Februar 26th, 2010 // Allgemein
Vor wenigen Tagen habe ich in der Isar mitten in München diese Steinkugel gefunden. Sie hat einen Durchmesser von rund 23 Zentimetern und wiegt ungefähr 10 Kilogramm.
Die Kugel ist eindeutig menschengemacht – für einen natürlichen Stein ist sie einfach zu ebenmäßig rund. Gleichzeitig ist sie aber zu unregelmässig geformt um maschinell hergestellt worden zu sein – ich nehme an sie wurde mittels Hammer und Meissel in Form gebracht. Alle Unregelmäßigkeiten haben sich während der mutmaßlich langen Zeit im Fluß durch die abnutzende Kraft von Wasser, Sand und Gestein leicht abgeschliffen.
Nachdem ich im Hof des Münchner Stadtmuseums einmal sehr alte Kanonenkugeln aus Stein gesehen habe die dort in einer Pyramide aufgetürmt sind gehe ich davon aus daß es sich auch bei dieser Steinkugel um eine möglicherweise hunderte von Jahren alte Kanonenkugel handelt.
Um das abzuklären, aber auch um meiner Pflicht möglicherweise historisch relevante Fundstücke zu melden werde ich die Kugel in Kürze beim Landesamt für Denkmalpflege in der “Alten Münze” abgeben.
Zusätzlich habe ich ein Foto von der alten Steinkugel gemacht das an das Bayerische Armeemuseum in Ingolstadt geht. Dort gibt es einen Spezialisten der mir vielleicht mehr zu der Kugel und deren Herkunft und Alter sagen kann.
Update:
Dank eines bizarren Zufalls weiß ich jetzt daß es sich bei der Steinkugel tatsächlich um wie von mir gemutmaßt eine alte Kanonenkugel handelt!
Und das kam so:
Heute Abend erschien es mir notwendig ob des Kälteeinbruchs noch schnell ein paar wärmere Klamotten zu waschen. Dazu gehe ich immer zu einem Münzwaschsalon. Mir fiel dabei auf daß die dort seit Neuestem über eine Industriewaage verfügen – ein paar Schlaumeier meinen nämlich immer wieder die halbe Tonne Schmutzwäsche mit der sie gerade die Waschtrommel verpressen sei “weniger als 7 Kilo schwer” – das Limit bis zu der die Waschmaschine die Wäsche noch sauber bekommt da die einzelnen Kleidungsstücke noch von Wasser umspült werden. Somit kann auch ein mittelschwerer Trottel jetzt auf einer Maschine den Grad seiner Fehlbarkeit ablesen.
Mir kam da natürlich gleich der Gedanke daß ich mittels dieser Waage der wissenschaftlichen Erfassung der Eigenschaften meiner Steinkugel einen weiteren Wert hinzu fügen könnte: deren Gewicht! So fuhr ich also nach Beladen der Maschine zurück um die Kugel zu holen. Mein Rucksack vertrug das Gewicht Gott sei Dank noch ganz gut. Die Mitarbeiterin des Münzwaschsalons entriegelte für mich die Waage, ich eichte das Ding nochmal schnell um ein korrektes Ergebnis zu kriegen und packte sodann die Kugel aus dem Rucksack auf den Wägetisch.
Während ich ganz versunken in meine spannende Tätigkeit war nahm ich am Rande wahr wie die einzige Kundin die zu so später Stunde noch im Waschsalon war hinter mir sowas sagte wie “das kann doch nicht wahr sein – eine Kanonenkugel”. Der Zeiger der Waage blieb bei exakt 14,41 Kilogramm stehen. ”Genau dreißig” dazu der Kommentar der Kundin hinter mir.
Bei mir indes der Groschen immer noch nicht fiel: “Wieso – da steht doch 14″ dachte ich bei mir. Aber ich wunderte mich warum jemand so viel zu einer Steinkugel sagt die sicher über 90% der Normalbevölkerung gar nicht weiter aufgefallen wäre. Also fragte ich die Kundin ob sie sich mit sowas auskenne. “Ja, mein Vater ist Archäologe”.
Wirklich bemerkenswert. Einmal so einen extrem seltenen Fund zu machen und dann auch noch gegen 22:30 Uhr in einem Münzwaschsalon in der einzigen dort überhaupt anwesenden Kundin eine Kanonenkugelexpertin zu finden! Mit “30″ hatte jener unbekannte Engel des Wissens selbstverständlich Pfund – 15 Kilo – 30 Pfund also gemeint. Und das war ihr zufolge ein standardmässiges Kaliber für Steinkanonenkugeln. Kilogramm – das kam erst später.
Solche Kanonenkugeln kamen über Jahrhunderte hinweg zum Einsatz – bis deren Ära im 18. Jahrhundert auslief. Wie alt “meine” Kugel jetzt also genau ist kann ich noch nicht sagen, und möglicherweise wird das auch unklar bleiben. Mindestens jedoch an die 200 Jahre.
Wow – das war also mal wieder ein bemerkenswerter Abend! Wie sagt der Chinese doch: “Wenn Du besonders schnell an´s Ziel kommen willst dann nehme einen Umweg”. Zur zügigen Identifikation antiker Fundstücke also beispielsweise erstmal schön Wäsche waschen gehen.




Na, das sieht für mich auch wie Munition für eine Steinbüchse aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Steinb%C3%BCchse
Sorry, ich muß mich korrigieren, es waren genau genommen keine 30-, sondern 32-Pfünder, zumindest nach englischer Zählweise:
http://en.wikipedia.org/wiki/Cannon#18th_and_19th_centuries
Trotzdem nannte man sie 30-Pfünder.
15 Kilo schwer, Standardmunition der Standardgeschütze der Marine des 18. Jahrhunderts. Natürlich konnte man diese Geschütze auch woanders als auf einem Schiff aufstellen.
Wir haben Anfang des 18. Jahrhunderts den spanischen Erbfolgekrieg, davon könnte die Kugel stammen.-
- die Person aus dem Waschsalon
@ Sethos:
Super! Vielen Dank!
Auf der Suche nach näheren Informationen zu der Kanonenkugel, die seit den französischen Koalitionskriegen (1798) in der Chorapsis des Alten Peters steckt, bin ich hier gelandet.
Hast du inzwischen schon herausgefunden, wie alt deine Kugel ist?
Herzliche Grüße
Quizzy
@ Quizzy:
Gut daß Du fragst – ich habe das als Aufhänger genommen einen neuen Anlauf zu unternehmen die Kugel dem Landesamt für Denkmalpflege (München, Hofgraben 4) zu überstellen. Die zuständige Dame war jedesmal nicht erreichbar als ich es die letzten zwei, drei Mal versucht habe. Ich habe soeben beim Landesamt angerufen und wieder ist sie, wie es der Zufall will, nicht da. Von einem früheren Fund habe ich aber einen Kontakt beim Landesamt der sich freundlicherweise bereit erklärt hat den Fund stellvertretend in Empfang zu nehmen und weiterzuleiten. In aller Regel dauert es etwas bis man dann weitere Infos bekommt. Ich halte Dich gerne auf dem Laufenden.
Gruß, Christian