Hinter den sieben Bergen…

// Mai 25th, 2010 // Allgemein

Garda2

…trifft man auf eine andere Welt.

Das war schon im Märchen so, und mir erging es gleichermaßen als ich in der zurückliegenden, in München kalten und komplett verregneten Woche mit meinen Fahrgästen zum für mich ersten Mal den Gardasee ansteuerte.

Das hätte ich nicht für möglich gehalten: Viereinhalb Stunden Fahrt, und man sieht mit Früchten behangene Orangenbäume am Hafen, ganz andere Blumen, Olivenbäume, Zitronenhaine und wohlgeformte Nadelbäume die ohne je geschnitten werden zu müssen ästhetisch dem Himmel entgegenwachsen. Es ist angenehm warm bis in die Nacht hinein.

Die Häuser sind klar von römischen Vorbildern geprägt: Ich möchte fast wetten daß so manche alte römische Villa – stünde sie denn noch – nicht viel anders aussähe als die zeitgenössischen Häuser die man hier vorfindet.

Garda Tunnel

Tückisch ist die Straßenstrecke am nördlichen Westufer des Sees: Die Ortschaften hier sind erst seit den ausgehenden 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts über Straßen erreichbar (zuvor gab es nur Schiffsverbindungen). Man sprengte damals Tunnel in den Fels, die im Grunde genommen für sich begegnenden Verkehr ungeeignet sind: Viel zu schmal, und wer eine hohe Bordwand hat (wie ich) der schaudert vor den sich schon in geringer Höhe einem entgegenneigenden Wänden, die teils aus vollkommen unbehandeltem rohen, schroffen Fels bestehen.

Am Hotel angekommen gab es wegen der crashfreien Tunneldurchquerung von den Fahrgästen Applaus – die Rezeptionistin bestätigte mir ohne Zögern meinen Verdacht daß diese Strecke sehr unfallträchtig ist. Aber no risk, no fun, und ein Tags zuvor bei Hugendubel gekaufter Reiseführer hatte mich eh schon vorgewarnt (sehr empfehlenswert übrigens: “Gardasee” von Autor Eberhard Fohrer im Michael Müller Verlag).

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Das Hotel, unmittelbar am Seeufer gelegen, war super. Seine Koffer “darf” man nicht selber tragen – da gibt es Leute dafür. Die ja auch was (zum Beispiel Trinkgeld) verdienen wollen. Großartige Küche, alles äußerst sauber, sehr aufmerksamer Service.

Am folgenden Tag besuchten wir die weiter südlich gelegene Villa des total durchgeknallten Gabriele D´Annunzio: Ein Mann der die Bedeutung des Wortes “selbstverliebt” neu definiert hat. Das Haus heißt “Vittoriale degli italiani”, ist von hinten bis vorne vollgestopft mit Kitsch und militaristischem Krimskrams, eingerahmt von schwül-düsteren Vorhängen und Mobiliar. Im Garten ebenfalls allerlei Kriegsrat: Granatenhülsen, Teile eines riesigen Kriegsschiffes, ein U-Bootjäger der in einem Swimmingpool aufgebockt ist sowie ein grotesk überdimensioniertes Mausoleum.

Ein Ort des Horrors und der Geschmacklosigkeit, den man aber zur Kalibrierung seiner Sinne und aus einer psychiatrischen Fazination heraus durchaus einmal besichtigen kann.

Viel erbaulicher ist da schon der vom Künstler Andre Heller angekaufte und neugestaltete Botanische Garten, nur 10 Gehminuten entfernt:

Hier findet man Bambuswäldchen, überall die Hänge hinunterströmende Bächlein die teils zu lieblichen kleinen Seen aufgestaut sind, sowie “alte” Rosensorten die – anders als der rein nach äußerlichen Gesichtspunkten gezüchtete neumodische Kram – tatsächlich duften – typisch für den lobenswert sinnen-orientierten Heller.

Garda Boot

Ein Teil der Gruppe unternahm anderntags eine längere Seefahrt. Es gibt wohl im Wesentlichen ein Tragflächenboot, das zwar sehr schnell ist aber fürcherlich die Luft verpestet (Kolbenfresser? Läuft mit Schweröl?), sowie einen wahrscheinlich nicht ganz so schnellen Katamaran, der aber keine wahrnehmbaren Abgase hinterlässt. Oben im Foto.

Der zweite Teil der Gruppe unternahm eine Wanderung die Berge hinauf, der ich mich anschloss. Die Erkenntnisse daraus: Super Ausblicke auf die wunderschöne und immer noch sehr stark von der Natur geprägte Landschaft. Eidechsen. Erstaunlich aggressive Gänse, die aber unter Protest und irritiert das Weite suchten als ich mich wohl nicht Feindbild-gemäß genug benahm. Ich kam bergauf ganz schön in´s Schnaufen – willkommener Ausgleich für die meist sitzende Tätigkeit des Taxifahrers.

Gänse

Wir benutzten zum Aufstieg im Wesentlichen uralte, augenscheinlich über hunderte von Jahren als Transportweg für ehemals dort angebaute Zitronen etc. genutzte Pfade, flächendeckend sehr mühsam mit rohen Felsbrocken gepflastert – heute aber, da es moderne Straßen gibt, oft in Wäldern halb verfallen im Dornröschenschlaf.

Außerdem merkt man daß wenn man sich von oben, von den wenig besiedelten Bergen hinab wieder der “Zivilisation” nähert es anders als man denken würde immer mehr duftet: Offenbar haben die Bewohner dort verstärkt Pflanzen, Büsche, Blumen usw. angepflanzt die gut riechen. Da ist etwas das an Jasmin erinnert, da sind Rosen, da ist Lavendel. Vielleicht wären solche Pflanzungen ja auch bei uns ein probates Mittel gegen den Straßenmief!

Den letzten Tag in Italien beging ich mit einem Bad im Gardasee. Unser Hotel besaß einen kleinen durch eine schmale Steinpassage erreichbaren Kiesstrand-Abschnitt. Die Wogen waren früh morgens wegen irgendeinem Thermikwind immer besonders heftig, und ich fand das schnell tiefe und augenscheinlich nicht eben warme Wasser zunächst eher gruselig. Doch nach einer gewissen “Einstimmungszeit” bin ich dann rein. Es hat sich gelohnt! Saukalt, aber es hat Spaß gemacht, und so wurde ich für die Fahrt zurück durch die gefährlichen Tunnel hellwach.

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Auf meinen Vorschlag hin besuchten wir auf dem Rückweg noch den Wasserfall “Cascata Varone” der sich bei einem kleinen Städtchen in der Nähe von Riva am Nordende des Sees rund 100 Meter eine schmale Felsschlucht herabstürzt. Seit einiger Zeit ist der Wasserfall durch zwei in den Fels gesprengte Tunnelzugänge aus unmittelbarer Nähe zu besichtigen.

Man wird dabei aber mehr oder weniger vollständig nass, weil die herabstürzenden Wassermassen einen starken Wind erzeugen, der den ganzen Sprühnebel des Wasserfalls mitreißt und über die Zugänge hinausbläst. Ich hatte (wieder vorgewarnt vom guten Reiseführer, siehe oben) meine wasserfeste Softshell-Jacke angezogen. Ich war dankbar daß meine feine Canon-Kamera, der im Übrigen sowohl beiliegende Fotos als auch Filme entstammen, den Einsatz im Wassernebel auch diesmal tadellos überstand.

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