Wohnst Du noch oder filmst Du schon?
// Oktober 26th, 2010 // Allgemein
Heute habe ich abgeschlossen, wo ich mich schon vor einer Woche hingetastet hatte – einmal das Heizkraftwerk Nord auf einem selbstgebastelten automatischen Zeitraffer-Schwenkstativ zu filmen. Nachdem ja jeder “normale” Kameraschwenk im Zeitraffer hektisch, ruckartig und wenig elegant wirken würde, ist es erforderlich eine ultra-langsame Bewegung herzubekommen. Ideal hierfür sind simple Küchenwecker, wie man sie in verschiedener Bauart kaufen, und dann nach Belieben dem eigenen Bedarf anpassen kann.
Nachdem ich meinen eigenen, ehemals teuer gekauften Aluminium-Küchenwecker schon in der Experimentalphase binnen weniger Minuten geschrottet hatte, wurde ich auf der Suche nach geeignetem Rohmaterial dann bei IKEA fündig: IKEA verkauft gleich zwei verschiedene Küchenwecker, die sich beide ganz hervorragend für o.g. Zwecke eignen. Und mit 5,99 € bzw. 1,99 € das Stück macht es auch nichts aus wenn das Werk nicht im ersten Anlauf gelingt, oder das eine oder andere Exemplar im Gebrauch seinen Geist aufgibt.



Mein lieber Christian! Ich fürchte, du bist entweder überhaupt nicht ausgelastet oder hast deinen Beruf deutlich verfehlt. Alter Fotofreak!
Gefällt´s Dir?
Ich WÄRE “ausgelastet” wenn ich mir nicht dann und wann Zeit für das Eine oder Andere nehmen würde. “Taxifahren”, das ist womit ich Geld verdiene. Das bedeutet nicht daß sich mein gesamtes Wesen darauf beschränkt ein Fahrzeug steuern, und vielleicht noch Geld kassieren zu können.
Ob ich einen anderen Beruf hätte ergreifen sollen kann ich nicht beurteilen. Jetzt ist es halt nunmal so daß ich Taxi fahre und Sightseeingtouren anbiete.
So übel ist das auch nicht.
Gruß, Christian
Aber mit Deinen Fertigkeiten in Feinmechanik…. Aus einem 1,99€ Wecker und einem wohl handelsüblichen Stativ sowas zu basteln, Respekt. Hast Du schonmal über ein Patent nachgedacht? (nicht ganz ernst gemeint)
Denk mal an die Motion Control Kamera von Georg Lucas. (oder war es Stephen Spielberg?)
Richtig schön gemacht, toll! Ich hab nur nicht so ganz kapiert, wofür den Wecker gebraucht hast…
Hallo Klaus!
Die Idee zu meinem IKEA-Schwenker habe ich aus dem Internet. Auf YouTube stellte jemand das grundlegende Konzept vor. In das Uhrwerk wird dabei gar nicht eingegriffen. Die Hauptherausforderung besteht darin quasi den Küchenwecker “anzudocken” an die Kamera einerseits, und an das darunterliegende Stativ andererseits. Im Falle des vorliegenden Films fiel letzterer Part weg. Ich verwendete den 5,99 € Wecker “Ordning” von IKEA. Er hat einen schön breiten Querschnitt (sechs Zentimeter) und ist auf der Oberseite vollkommen plan. Die verwendete Kamera (GoPro HD Hero) kommt mit aufklebbaren Montagepads. Also die Weckeroberseite einfach nur entfetten, damit es gut bappt und das Pad draufgeklebt. Die Wecker-Unterseite ist IKEA-seitig bereits mit einem schönen rutschhemmenden Mossgummireifen ausgestattet. Da brauchte ich in dem Fall also nix ändern – ich habe das ganze Gebilde einfach an geeigneter Stelle auf das Dach meines Taxis gestellt, noch den Neigungswinkel der Kamera justiert und gut war´s. Um einen solchen Schwenkmechanismus auch in das reguläre GoPro-Stativsystem BEIDSEITIG einbinden zu können verwendete ich den Timer “Stäm” von IKEA. Der hat einen relativ schmalen Bediengriff an der Oberseite. In den habe ich mit der Proxxon-Fräse ein Loch gefräst. Dann aus einer Standard-Klemme des GoPro-Systems in der Mitte einen Steg herausgefräst, den durchbohrten Griff mittels ein paar Beilagscheiben mittig zwischen den zwei verbliebenen Stegen eingepasst und festgeschraubt (mittels der normalen GoPro-Schrauben). Auf der anderen, der Kameraseite, einfach wieder ein Klebepad, wie gehabt. Ich habe dazu das Gehäuse weggebrochen und das Pad auf den Metallkorpus des Weckers gesetzt, aber evtl. kann man es auch gleich auf das Außengehäuse kleben. Nur könnten in diesem Fall die beim Fräsen entstehenden Späne in das im Gehäuse offenliegende Uhrwerk eindringen und es zum Erliegen bringen. Schließlich habe ich noch den Bediengriff mit der Wecker-Achse mittels Powerkleber verklebt, da sonst das wenngleich minimale Spiel Ausgangspunkt für gewisse Wackelbewegungen der Kamera sein kann. Motion Control ist eine verdammt coole Erfindung. Ich lese manchmal a bisserl was zu diesen Themen, wenn ich es in einem Magazin oder so aufschnappe. Auch schaue ich mir gerne die “Making Ofs” meiner Lieblingsfilme an. Da kann man ´ne Menge lernen.
Gruß, Christian
Hallo Trixi!
Insofern ist das natürlich ganz große Klasse wenn das Ergebnis trotz (oder wegen?) vorübergehendem Verzicht auf schöne Erholung was geworden ist. Zum Wecker: Wie Du in der Aufnahme mit dem Taxischild siehst schwenkt die Kamera in einer normalen Geschwindigkeit von rechts nach links. Nun wird aber in dem Filmabschnitt den Du siehst alles, was aufgenommen wurde in 20-facher Geschwindigkeit gegenüber dem Originalmaterial wiedergegeben. Um diesen End-Eindruck zu erreichen, gilt es folglich den Schwenk während man dreht zwanzig mal langsamer als normal auszuführen. Mit der Hand kann man so etwas nicht mehr machen, schon gar nicht gleichmäßig. Hier kommt deshalb der Wecker ins Spiel: Er braucht für eine Umdrehung etwa eine Stunde – langsam genug für schöne Schwenks im Zeitraffer.
Das ist toll daß Dir mein Clip gefällt! Gestern früh hatte ich nach weniger als drei Stunden Schlaf eine Flughafenfahrt-Vorbestellung, fuhr dann via Fischerhäuser zurück und entdeckte nach dem Frühstück bei “feringa´s”, daß heute die Drehbedingungen vom Licht und den Luftdruckverhältnissen (wie also der Rauch bzw. Dampf aufsteigt usw.) optimal wären. Also heim zum Kamera- und Stativgreifen nach Haidhausen. Dort habe ich schon mit mir gehadert ob ich das nicht besser bleiben lassen und mich ins Bett legen soll – schließlich war der Dreh vor etwa einer Woche, von dem ich sehr viel erwartet hatte nix geworden (die Lichtverhältnisse waren damals zu schlecht gewesen, was mir aber erst beim Sichten des Materials zu Hause auf dem Rechner auffiel). Doch nein! Auf geht´s!!!
Gruß, Christian
Echt Respekt.
Und das nächste Video nimmst Du dann vor einer schöneren Kulisse als ein Kraftwerk auf. Das gibt es in München, das weiß ich genau.
Ich finde den Anblick des Kraftwerks oft schön. Aber ich weiß natürlich was Du meinst. Im gängigen Sinn ist so ein Kraftwerk nichts Schönes sondern eher was Scheußliches.
Schau mer mal was als Nächstes kommt.
Ich weiß schon ein wundervolles Motiv, nur mußt du damit bis zum nächsten Jahr warten: Eine 15minütige Zeitlupenstudie des Dekolletes einer Wiesnbedienung! Da ist bestimmt so was von Action drin, da kann kein Kraftwerk mithalten.
Das überlasse ich Dir. Wahrscheinlich wird eher nix aus dem Dekolleté-Film, aber wenigstens bekommen wir die Aufnahme einer orig. bayerischen Watschn in Full HD.