Stilleben mit LKW-Crash

// Dezember 13th, 2010 // Allgemein

LKW-Unfall A9 Nähe Eching

Mann, war das wieder ein Morgen! Zwecks einem Anfall von Arbeitswut beackerte ich bis  halb Zwei Uhr früh mein Büro, nur um dann schon drei Stunden später wieder aufzustehen für eine Vorbestellung zum Flughafen. Aufgewacht stellte ich fest, daß es geschneit hatte. Und es war saukalt geworden, sodaß der Schnee zusammen mit Schmelzresten von gestern schön auf den Straßen, und teilweise sogar auf der gesalzenen Autobahn festgefroren war!

Für mich eine willkommene Herausforderung, mein Fahrgast hingegen schien nicht so begeistert. Unterwegs winkte noch eine Dame: “Sie fahren nicht etwa zum Flughafen?” Doch, das taten wir. Sie sei Flugbegleiterin auf dem Weg zur Arbeit, und ihr Auto sei soeben verreckt. Der Motor hätte plötzlich nur noch hochgedreht, dann keine Kraftübertragung mehr, dann ein Knall. Mein Fahrgast ließ sie großzügig mitfahren. Dank ihm bekamen die Fluggäste auf ihrer Reise mit der Lufthansa in irgendeine Stadt in Norddeutschland ihren Kaffee dann also doch noch pünktlich ausgeschenkt.

Schon auf dem Weg zum Flughafen sahen wir dann den LKW, den es auf der A9 derbreselt hat: Offenbar in´s Schleudern gekommen, in den Graben geraten und dann umgekippt.

Ich konnte aus gegebenem Anlaß mal bestaunen, wie das nach Einführung der neuen “Winterreifenpflicht” vor wenigen Tagen jetzt läuft: Auf den Antriebsachsen der Zugmaschine (also der hinteren) ordentliche Winterreifen mit Stollen. Der Rest irgendwelche anderen Reifen, auf jeden Fall ohne Stollen. Und die spurführenden Vorderreifen im konkreten Fall total abgefahren. Davon abgesehen finde ich aber die Beschränkung einer Winterreifenpflicht rein auf die Antriebsachsen sehr merkwürdig. So ganz “rund” scheint mir diese neue Winterreifenverordnung noch nicht zu sein.

Gecrashter LKW

Wegen des LKW-Unfalls hatte sich auf der A9 ein größerer Stau gebildet. Leider haben wieder viele Autofahrer die Spuren verlassen, und versuchten auf dem Pannenstreifen überholend “Zeit zu gewinnen”. Ich finde so ein Verhalten absolut rücksichtslos: Benötigt ein Unfallopfer, oder auch ein im Stau eingeschlossener Fahrzeuginsasse die Hilfe eines Notarztes, dann kann dieser den Patienten nicht erreichen, da die Pannenspur voll mit Autos ist, und diese wegen des Staus auch nicht mehr zurück auf die Autobahn kommen.

Dafür, daß sich unter diesen Spezialisten auch mindestens fünf meiner Kraftdroschker-”Kollegen” befanden (die es als Berufskraftfahrer nun wirklich besser wissen sollten) kann ich mich nur fremdschämen.

Gott sei Dank ist im Übrigen dem verunfallten LKW-Fahrer nichts passiert, und auch sonst kam diesmal glücklicher Weise niemand zu Schaden. Ich nehme an, der LKW wurde später per Kran geborgen. Doch zu diesem Zeitpunkt kämpfte ich mich bereits wieder mehr oder weniger im Schneckentempo über die weiß beplankten Rutschbahnen in Richtung Heimat. Erstmal Feierabend machen. Und Schlaf nachholen.

4 Responses to “Stilleben mit LKW-Crash”

  1. Harald sagt:

    Schönes Bild mit dem Reifen auf der Lenkachse. Die Strafe für fahren ohne Winterreifen beträgt 80€ plus 1 Bonuspunkt in Flensburg. Das finde ich ausreichend, nur sollte es pro Reifen gelten . Da kann dann bei einem LKW (3-Achs Zugmaschine Plus 3-Achs Auflieger das ganze noch mit Zwillingsreifen) einiges zusammenkommen.

  2. Christian sagt:

    Hallo Harald,

    ich schätze, der Fahrer des LKW wird in diesem Falle gestraft genug gewesen sein die üble Achterbahnfahrt mitgemacht zu haben (der wird gedacht haben, sein letztes Stündlein hat geschlagen). Wenn aber durch so einen Unfall Unbeteiligte zu schaden kommen, erscheint mir die Strafe als eher zu niedrig. Strafen machen doch erst Sinn, wenn die durch Vermeidung der Strafe entstehenden Kosten NIEDRIGER als die Strafe selbst sind – sonst hat man kaum echte Motivation, es anders zu machen. Beispielsweise beträgt, wenn man nachts ohne Licht an seinem Fahrrad erwischt wird die Strafe um die 10.- Euro. Eine gute Lichtanlage an´s Fahrrad bauen zu lassen kostet aber etwa 100.- Euro. Wenn man dann noch abschätzt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist jemals ohne Licht erwischt zu werden, ist es ganz klar “billiger”, auch weiterhin ohne Licht zu fahren.
    Im Falle des LKW´s dürfte das Kostenverhältnis ähnlich gelagert sein: Ein einzelner LKW-Reifen kostet zwischen etwa 200.- Euro, wenn er runderneuert ist und ca. 300.- bis 700.- Euro, wenn es sich um Neuware handelt. Immerhin baut der drohende Punkt in Flensburg, der Albtraum eines jeden Berufskraftfahrers, hier etwas mehr Druck auf.
    Übrigens, nochmal: Winterreifen müssen laut der neuen Winterreifenpflicht NUR AUF DIE ANTRIEBSACHSE! Was das betrifft, war also der LKW OK. Lediglich die abgefahrenen Vorderreifen dürften Konsequenzen haben.
    Einen weiteren Fehler im Gesetz sehe ich übrigens darin, wie die Winterreifenflicht im Hinblick auf Autovermieter derzeit gehandhabt wird: Die dürfen nämlich allen Ernstes bei den derzeitigen Wetterverhältnissen mit 5 Zentimeter Schnee auf der Straße ihre Fahrzeuge mit SOMMERREIFEN vermieten, obwohl sonnenklar ist, daß keiner so dumm sein wird sich heute einen Wagen zu mieten, den dann stehenzulassen um sagen wir zweieinhalb Wochen später, wenn der Schnee wieder weg ist, endlich die Nutzung anzutreten. Während er die gesamte Zeit über Miete zahlte!
    Also kann man dem Vermieter unterstellen, GENAU ZU WISSEN, daß das Auto gesetzeswidrig verwendet werden wird, und dadurch den Mieter wie auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden wird. Der Vermieter sollte, wenn er im Winter mit Sommerreifen vermietet, also definitiv zur Rechenschaft gezogen werden.

    Gruß Christian

  3. maik sagt:

    >>>Lediglich die abgefahrenen Vorderreifen dürften Konsequenzen haben.

    Woran siehst Du, dass die Vorderreifen abgefahren sind?

  4. Christian sagt:

    Hallo maik,

    ich selber habe das nicht gesehen, sondern es stand in der Zeitung, daß bei dem LKW die Mindestprofiltiefe nicht mehr gegeben war. Hast Du andere Informationen? Und, nachdem Du “vom Fach” zu sein scheinst: Was hältst Du von einer Winterreifenpflicht nur für die Antriebsachse? Wären nicht Winterreifen auf ALLEN Achsen besser? Die Laufflächen der Vorderreifen sehen wie poliert aus – ich kann mir kaum vorstellen, wie solche Reifen bei Straßenglätte noch erfolgreich führen sollen.

    Gruß Christian

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