Weltkriegs-Phosphorbombe zwischen Friedensengel und Maximilianeum
// Februar 1st, 2011 // Allgemein
Vor fünf Tagen hatte ich erst hier im Blog im Artikel über die renaturierte Isar darüber gemutmaßt – jetzt war es schon so weit:
Gestern – meine Fahrgäste waren noch kurz beim Shopping, ehe es nach Memmingen weitergehen sollte – stellte ich mein Taxi in der Liebigstraße ab, und ging ein bisschen an der Isar spazieren. Dabei wurde ich auf einen Gegenstand im Flußbett aufmerksam, der von Form und Größe her eine Phosphorbombe hätte sein können.
Ich kletterte von einer nahen Treppe, die vom Steilufer zum Fluß hinab führt an der Ufermauer entlang, knapp über der Wasserlinie, mit den Straßenschuhen auf dem kaum 10 Zentimeter breiten Sims, Griffmöglichkeiten in drei Zentimeter tiefen Rillen im Beton. Auch eine Methode, um sich fit zu halten!
Ganz sicher war ich mir bei dem rostigen Ding in der abendlichen Dämmerung aber nicht, sodaß ich heute zurückkehrte – diesmal ausgerüstet mit wasserdichter Wathose (und Thermo-Unterwäsche – saukalt!). Also es war eine Phosphorbombe. Das Übliche: Polizei gerufen, die verständigt die Sprengstoff-Spezialisten.
Phosphor-Bomben sind speziell in der Weise, daß dort nicht in erster Linie vom Zünder die Gefahr ausgeht, sondern vom in den Bomben enthaltenen Material selbst – dem Phosphor. Der entzündet sich nämlich ganz von selbst, sobald er mit dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff in Kontakt gerät.
Darum kam die Phosphorbombe in ein Spezialbehältnis, in dem sie zunächst gegen “Herumruckeln” gesichert wurde, und das dann mit Wasser aufgefüllt wurde. So bleibt die Bombe während des Transportes unter Sauerstoffausschluß, bis sie schließlich auf einem Gelände außerhalb von München vernichtet werden kann.
Das hinten links im Foto ist übrigens ebenfalls von einer Bombe – einer einst mit Flüssigkeit gefüllten Brandbombe.




Ganz schön gruselig deine wiederholten Funde in der Isar …
@ tom: Ja. Ich find´s indes gar nicht mal so schlimm. Was ich entdecke, war ja auch schon vorher da, und es wird eher gefährlicher, je länger es NOCH herumliegt, bevor es entsorgt wird. Solange man bei solchen Funden davon absieht, mit dem Material irgendwelchen Blödsinn zu machen ist das Risiko, daß etwas passiert meiner Ansicht nach noch einigermaßen überschaubar.
Ich denk an das Risiko, was alles passieren kann, wenn plantschende Kinder oder auch zum Beispiel mein Hund mal wieder durch die Isar toben. Anscheinend liegt ja doch noch relativ viel rum.
@ tom:
Da kann ich Dich beruhigen. Klar ist und bleibt das auf “abstrakte” Weise gefährlich. Aber das Risiko, daß Dir oder Deinem Hund beim Spazierengehen etwas passiert ist meines Erachtens sehr gering. Die letzten Jahre über habe ich zahlreiche Stabbrandbomben gefunden – gut, da gibt es auch welche mit Zerlegerladung, die meisten würden aber höchstens eine Stichflamme produzieren. Dann Einiges an Flakmunition. Eher mittel-gefährlich, solange man damit nicht herumfuhrwerkt. Und, dies aber eher vereinzelt, Gewehrgranaten. Die sind offenbar ÄUSSERST gefährlich: Im Umkreis von 5 Metern tödlich, mit sehr sensiblem Zünder. Wenn ich nun aber rekapituliere, welch gigantische “freie” Flächen auf eine dieser Gewehrgranate kommen, liegt die Wahrscheinlichkeit daß ein Spaziergänger so blöd auf so eine drauftritt daß die davon hoch geht bei fast Null. Tausende Spaziergänger können Jahrzehnte lang an derselben Isar spazierengehen wie ich, ohne JE auf nur IRGENDWAS von dem zu stoßen, das ich immer wieder finde. Das liegt daran, daß ich ein sehr gutes Auge für sowas habe. Schon ganz anders sieht die Risikolage aber bei dem aus, was ich letztes Jahr beobachtete: Da ermutigte ein Vater seine beiden um die 10 Jahre alten Kinder an einem der “Fundort-Schwerpunkte” wie ich sie mittlerweile kennengelernt habe geradezu dazu, Kriegsmunition zu suchen und aufzulesen! Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf als ich das sah! Es kostete mich Einiges an Überzeugungskunst, den kleinen stolzen Findern abzunehmen was sie da schon ahnungslos zusammengeklaubt hatten! Dieser Vater meinte wohl, das sei harmloses Spielzeug, obwohl es erst vor Kurzem nicht weit entfernt einen schweren Unfall mit zwei Kindern gab, die mit solcher Munition herumspielten. Eines der Kinder kam dabei um´s Leben. Mir ist hingegen kein einziger Fall bekannt, wo einer der doch sehr zahlreichen Isar-Spaziergänger unfreiwillig durch alten Kriegsschrott zu Schaden gekommen wäre. Die Devise lautet: Sobald man etwas findet, die Polizei anrufen, Telefon 110. Sonst kann man meiner Meinung nach ohne Sorgen an der Isar spazierengehen, und wegen Bewegung, frischer Luft und Natur ein gesünderes Leben führen als diejenigen, die scheinbar sicher zu Hause vor ihrem Fernseher sitzen. Wo im Übrigen immer noch die meisten Unfälle passieren.
Ah ok, vielen Dank für die Informationen und vielen Dank auch für die fortlaufende Suche nach diesen Überresten! Das finde ich wirklich bewundernswert!
@ tom:
Gerne, und Danke für´s Kommentieren und für die Ermutigung weiterzumachen!