Statt einer Panik lieber alle sterben lassen

// März 29th, 2011 // Allgemein

Wenn ich nach Japan schaue, sehe ich Dinge, die sind einfach mal hinzunehmen: Der Tsunami, die dadurch verursachten Schäden und Toten. Schrecklich, aber man kann was geschehen ist jetzt nicht mehr rückgängig machen. Freilich gilt es nun tätig zu werden um zu retten, was zu retten ist – so sollte jeder von uns zum Beispiel auf Deutschland Hilft einen Betrag, den er verschmerzen kann spenden, um so seinen Teil zu einer Verbesserung der Lage der Menschen beizutragen.

Ich sehe jedoch auch Dinge, DIE SIND NICHT HINNEHMBAR. So etwa das unfassbar verantwortungslose Treiben der japanischen Regierung. Bereits wenige Tage nach dem ersten Strahlungsaustritt in Fukushima bemerkte selbst die Atomkraft-freundliche U.S.-Regierung, sie würde einen Evakuierungsradius von 80 Kilometern um Fukushima ziehen lassen – statt  jenen lächerlichen 20 Kilometern, bei denen es bis heute geblieben ist!

Gestern stieg der Strahlungslevel in Fukushima auf das hunderttausendfache bis millionenfache des Normalzustands an (genauere Daten konnten oder wollten weder japanische Regierung noch Kraftwerksbetreiber Tepco liefern). Auch außerhalb des winzigen Evakuierungsradius, den die japanische Regierung den Bürgern gönnt, nehmen jetzt zigtausende Menschen binnen weniger Stunden (!) die Strahlenmenge auf, die sie maximal BINNEN EINEN JAHRES aufnehmen sollten.

Doch die viel zu kleine Evakuierungszone wird trotzdem immer noch nicht ausgeweitet! “Man möchte keine Panik auslösen”, wird das begründet. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Das Leben Tausender zu retten ist der japanischen Regierung weniger wichtig, als eine “ruhige”, da über Gefahren vorsätzlich im Unklaren gelassene Öffentlichkeit zu haben. Solche Prioritätensetzung – das ist Kernkraft!

Angeblich kompetente Wissenschaftler bestimmen eiskalt über Leben und Tod Anderer, haben dabei aber bereits den letzten Funken Verstand verloren.

4 Responses to “Statt einer Panik lieber alle sterben lassen”

  1. Reinhold sagt:

    Nicht nur die japanische Regierung und die japanischen Wissenschaftler. Ich habe dir doch von den Wildschweinen erzählt, die nach der EU-Verordnung 733/2008 nicht mehr als genusstauglich eingestuft werden dürfen, wenn sie mehr als 600 Becquerel/Kilogramm (kumulierte Radioaktivität Cäsium 134 u. 137) aufweisen. Das galt für alle zum Verzehr bestimmten Nahrungsmittel in der BRD – bis letzte Woche!
    Die Eilverordnung der Europäischen Kommission 297/2011, die am 27.03.2011, also vorgestern, in Kraft getreten ist, dürfen Nahrungsmittel aus Japan mit bis zu 1250 Becquerel/Kilogramm (kumulierte Radioaktivität Cäsium 134 u. 137) bei uns zum Verzehr freigegeben werden. Das Bundesverbraucherschutzministerium erwägt sogar bei bestimmten Produkten (Fisch, Wild, Pflanzen) einer Erhöhung des Grenzwertes um das zehnfache zuzustimmen.
    Jetzt können wir uns das Gerede von den “ verstärkten Kontrollmaßnahmen „ auf der Zunge zergehen lassen. Der der kontrolliert setzt einfach den Grenzwert nach oben, dann passt es wieder.

  2. Christian sagt:

    Krass. Davon habe ich noch nichts gehört. Uns lullen sie mit ihren angeblichen “Kontrollmaßnahmen” ein und präsentieren sich als Beschützer, de fakto aber schicken sie die Leute in den Krebstod. Komisch auch, daß man überall das Posaune von den “verstärkten Kontrollen” vernehmen konnte – von den raufgesetzten Grenzwerten aber nicht! Abartig. Ich habe das gerade gegoogelt – Milch “darf” demzufolge aufgrund unserer (gegenüber der Atomwirtschaft) so fürsorglichen Politikern seit neuestem sogar mit 1000 Becquerel verstrahlt werden – damit die empfindlichen Kinder, die bekanntlich davon besonders viel trinken auch schön ihre Dosis abbekommen!

  3. Hanna sagt:

    Die Kernschmelze, bzw der Saugau hat doch schon lange begonnen. Wir haben ein zweites Tschernobyl und keiner kann es mehr verhindern.

  4. Christian sagt:

    Das sehe ich genauso. Aber die japanische Regierung betreibt systematisch Schönfärberei und lügt über die tatsächliche Gefahrenlage. Mal ist von einer “partiellen” Kernschmelze die Rede, die aber “mittlerweile wieder unter Kontrolle sei” (Experten meinen, partielle Kernschmelzen gebe ist nicht, und hat eine Kernschmelze erst eingesetzt könne man nichts mehr tun um sie zu stoppen), mal behauptet die japanische Regierung, die ansteigenden Strahlungswerte in Japan “stellten keine Gefahr dar” – dabei GIBT ES KEIN SICHERES STRAHLUNGSNIVEAU – Strahlung wirkt sich GRUNDSÄTZLICH krebsfördernd aus, und erhöhte Strahlungswerte führen daher eben UNWEIGERLICH auch zu erhöhten Krebsraten, Fehlgeburten etc.! Auch den Evakuierungsradius nicht auszuweiten ist eine reine Propagandamaßnahme, für die man bewußt Menschen über die Klinge springen lässt. Indirekt gab das die japanische Regierung bereits zu, indem sie die Nicht-Ausweitung der Evakuierungszone mit “Angst vor einer Panik” begründete. Mit anderen Worten: Ohne diese (vorgeschobene) “Angst” WÜRDE NATÜRLICH evakuiert! Indes daß soeben die EU die Grenzwerte für Produktimporte aus Japan erhöht hat, zeigt welch mächtigen Arm die Atomgiganten auch hierzulande haben. Und noch etwas: Neben dem Dejavu in der Leugnung von Gefahren – noch gut aus Tschernobyl in Erinnerung – sieht man nach dem Fiasko des maroden Schachts Asse auch hier wiederum, wie das Prinzip Kernkraft wirtschaftlich funktioniert: Solange “nichts passiert” sahnen die Bosse schamlos ab – seit 2002 etwa haben sich die Profite unserer deutschen AKW-Betreiber durch willkürlich hochgesetzte Wucherpreise VERSIEBENFACHT – etwa 100 Millarden Euro Cash! Von einer Pflicht, ihre Todesbrüter zu versichern werden sie großzügigst befreit. Passiert aber etwas, zahlen nicht etwa diese Bosse, bis sie als Gratler um einen Euro bettelnd um die Häuser ziehen, sondern der Bürger kommt für die Schäden auf! In Japan wird Tepco aller Voraussicht nach verstaatlicht, mit den abzusehenden Folgen. Die, die jetzt noch hinter Tepco stehen verbeugen sich dann noch ein paarmal artig im Fernsehen, und sind fürderhin nur noch an einem sehr angenehmen ausländischen Urlaubsort mit niedrigen Strahlungswerten zu erreichen. Cheers.

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