Abgesch(l)ossen
// Juli 7th, 2011 // Allgemein
Gestern Nachmittag gegen 17:00 Uhr stieß ich auf dem Marienplatz zu meinem Kollegen Thomas hinzu und wurde Zeuge eines etwas bizarren Schauspiels: Zunächst war mal die Marienplatz-Durchfahrt für Radler gesperrt, was so gut wie NIE vorkommt. Dann befanden sich aber lediglich ein paar tausend Leute auf dem Platz – gemessen an dem Ereignis, das hier womöglich bevorstand (die Vergabe einer Olympiade immerhin, und das für bereits in sieben Jahren!) war das ganz schön wenig. Ein Tanz-Team, das mich an Boygroup-Darbietungen auf MTV erinnerte und ein Moderator versuchten krampfhaft, der was das betrifft eher vorsichtigen Münchner Bevölkerung “Stimmung” und “Euphorie” einzujagen. Was misslang. Fremdschäm-Alarm…
Thomas teilte mir mit, daß die Entscheidung bereits im ersten Wahlgang gefallen war – dies würde allgemein als schlechtes Zeichen für München gewertet. Es zog sich jedoch hin mit der Bekanntgabe. Vorher wurden nochmal die Image-Filme der Bewerberstädte gezeigt. War nicht schlecht. Mir fiel auf, daß man im Münchner Film Teile eines früheren Werbefilms recycelt hatte. Der Clip war trotzdem recht ordentlich. Dann wurde irgendwann die Entscheidung bekanntgegeben. Ich war zu diesem Zeitpunkt viel zu beschäftigt, mein Supertele scharfzustellen, um ein paar Fotos von den Böllerschützen hinzubekommen, die ich oben auf dem alten Peter ausgemacht hatte, als daß ich die Bühne hätte beobachten können. Trotzdem bekam ich mit, wie natürlich zwar die Menge verstummte, nicht wenige rundum aber jubelten! Schätze, das waren die Olympiagegner aus Garmisch & Co., die extra angereist waren.
Naja also mir ist das wurscht. Seit der Fußball-WM in Deutschland, die zu einem grotesken Geldschneider-Exzess der hochkorrupten Fifa verkam, habe ich jeden Respekt vor sportlichen Großevents verloren. Ich hätte es auch angenommen wenn Olympia nach München gekommen wär´, und wie auch bei der Fussball-WM hätte es sicher auch viele SCHÖNE Erlebnisse mit Besuchern aus aller Welt gegeben, so ist es nicht. Aber ich finde, man kann auch mit anderen Dingen eine gute Zeit haben. Der Fokus sollte ohnehin mehr auf dem TÄGLICHEN Leben liegen – so appelliere ich an die Bayerische Staatsregierung, die Infrastrukturmaßnahmen, die das Alpen(vor)land dringend braucht (etwa die seit Jahrzehnten überfällige Ortsumfahrung Oberau) TROTZDEM durchzuziehen.
Von irgendeiner Olympiade, die nach ein paar Wochen ohnehin wieder rum ist, sollte man so etwas nicht abhängig machen! Bayern sollte sich mit Positivem, das BESTAND hat international einen Namen machen, und nicht mit den immer kurzlebigeren Selbstbereicherungsveranstaltungen irgendwelcher sogenannter “Sportfunktionäre”.




Vielleicht hätte man nicht von oben, sondern nach oben böllern sollen. So mit dem Hintersinn: “Joa Kruzifix no amoi, jetz san uns doch unsre Träume abstürzt!”
Wo schießt da einer in München und ich bin nicht dabei?
@ Bernd:
Nachdem gerade einige “Landler” die vehementesten Gegner einer Olympiade auf ihrer Scholle waren, konnte man sich nicht ganz sicher sein, ob das nicht ein Freudenschuß der Trachtenträger da oben war, gerade deshalb, weil es NICHTS geworden ist…
@ Reinhold:
http://www.boellerschuetzen-bayern.de/ , http://www.boellerschuetzen.de/

Da duads gscheid schebban!
Schau Dir insbesondere mal die Linkliste “Wo bekomme ich was” bei Ersteren an – bei solchen Kalibern können Deine Jagd-Kollegen glei´ zammpacken.
Jetzt mal ganz ohne Flax und Krümel zum Thema: Einige Garmischer wollten ihre Grundstücke nicht hergeben, ist das denn verwerflich?! Wer sich deswegen aufregt, der kann doch das DDR-Modell einführen: Da gibt´s eine Direktive der Partei samt zugehörigem Parteiauftrag und dann wird gemacht, was gesagt wird! Ist das der Wunsch?
Zunächst mal: Es gibt ein “formales Recht”. Und es gibt sowas wie einen “angemessenen Umgang mit Anderen”. Letzterem zuliebe kann man ab und an aus freien Stücken auf ein formales Recht, einen Rechtsanspruch verzichten. Indes vermag ich nicht zu beurteilen, warum und ob “zu Recht” (oder zu Unrecht) Einige sich in Punkto Grundstücke / Olympiade “quergelegt” haben. Philosophisch betrachtet steht jedoch eines für mich bereits fest: Es paßt sehr gut, wenn korrupte, seelen- und rücksichtslose “Sportfunktionärs-Superdampfer” mal auf ein standfestes und hartnäckiges “Privatleute-Riff” auflaufen. Ereignisse wie die Olympiade, und auch die sogenannten “FIFA”-WM´s haben sich viel zu weit von den Menschen entfernt. Da kann eine Zeit des Fastens und der Besinnung nicht schaden. Ich halte es in Extremfällen für legitim – durchaus auch aus einer ethischen Warte betrachtet – Leute zu enteignen. Ein Beispiel: Hier in München gab es mal zwei ältere Schwestern, die haben gemeinsam ein riesiges Jugendstil-Mietshaus in bester Lage besessen. Sie liessen es JAHRZEHNTELANG leerstehen. “Weil Leute Schmutz machen” – so oder so ähnlich war ihre einigermaßen exzentrische Begründung. Und das in einer Stadt, die wirklich händeringend Wohnungen benötigt. So etwas kann man als eine Provokation auffassen. Rein gesetzlich waren sie ohnehin bereits dazu verpflichtet, ihre Wohnungen für Mieter freizugeben, das wohlgemerkt OBWOHL es ihr Eigentum war! Schließlich, nach was-weiß-ich-wie-vielen Mahnungen nahm man ihnen endlich das Haus weg. Finde ich völlig in Ordnung. Das Problem bei der DDR war nicht so sehr, daß die konsequent waren, als vielmehr daß das gesamte Staatswesen von einer Verlogenheit, Unmenschlichkeit und Bigotterie durchzogen war – da wurden am laufenden Band harte Entscheidungen gefällt unter Berufung auf hehre Ideale, doch man hatte IN WAHRHEIT den MENSCHEN schon seit Jahrzehnten vollkommen aus dem Blickfeld verloren!