Kite Aerial Photography
// Juli 16th, 2011 // Allgemein
Kite Aerial Photography, oder kurz KAP, bezeichnet die Fotografie vom Fesseldrachen aus. Nachdem ich schon länger Luftaufnahmen machen wollte, habe ich mir vor kurzem bei einem Norddeutschen Drachenhandel einen ordentlichen Drachen, Zubehör wie hochfeste Drachenleine, Bodenanker und Spule bestellt, und mich via Internet kundig gemacht, wie man KAP-Aufnahmen machen kann. Als Drache kommt bei mir ein sogenannter Lifter zum Einsatz, der wie der Name schon sagt speziell auf eine hohe Tragfähigkeit hin optimiert wurde. Da er keinerlei Gestänge erfordert, und alleine durch den Wind seine Form erhält ist er sehr kompakt und schnell verstaubar – ein großer Vorteil, etwa wenn man mit dem Fahrrad zum Drachenflugplatz fährt.
Einer der wichtigsten Faktoren neben einem ordentlichen, leistungsfähigen Drachen ist eine gute Kameraaufhängung. Hier wird von KAP-Kollegen in aller Welt nahezu standardmäßig ein sogenanntes Picavet-Rig verwendet. Dieser Typ Kameraaufhängung ist nach seinem Erfinder Pierre Picavet benannt, der diese gleichermaßen intelligente wie ästhetische Konstruktion bereits im Jahre 1912 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte. Das Picavet-Rig bewirkt, daß die Kamera weitestgehend von abrupten Bewegungen der Drachenleine entkoppelt wird, und sorgt außerdem durch eine ausgeklügelte Geometrie dafür, daß die Kamera stets in der Horizontalen bleibt, also bei einem steileren oder flacheren Winkel der Drachenleine über dem Boden immer ihre einmal justierte Ausrichtung gegenüber der Oberfläche beibehält.
Ich habe mir mein Picavet-Rig in weniger als zwei Stunden gleich in der Nachbarschaft, im Haus der Eigenarbeit, aus Standard-Bauteilen, wie sie in München etwa in Baumärkten und bei Schrauben Preisinger erhältlich sind, zusammengebastelt. In meinem Fall laufen die Schnüre der Aufhängung durch Ringschrauben. In ein paar Tagen werde ich das Rig noch so modifizieren, daß die Schnüre durch Gleitrollen laufen – das ist die edlere Variante. Solche (Miniatur-) Rollen gab es hier auf die Schnelle nicht – ich habe sie jetzt bei einem Modellbauladen im Münchner Norden bestellt. Wie man an den Aufnahmen sehen kann, tun jedoch auch die Ringschrauben bereits einen sehr guten Job.
Absolut unerlässlich beim KAPing sind übrigens gute Handschuhe, am besten gepolstert und aus Leder. Leistungsfähige Drachen können bei Windböen extreme Zugkräfte entwickeln. Ohne Handschuhe gibt es dann schnell Brandblasen, schlimmstenfalls auch Schnittwunden. Ich habe mir bei Globetrotter Bergsteigerhandschuhe gekauft, da sind die Fingerspitzen frei, etwa, um Knoten zu binden. Doch selbst diese Handschuhe haben bereits beim ersten Einsatz merklich gelitten. Als Kamera super ist natürlich die GoPro HD: Mit ihr kann man nicht nur Intevall-Fotos einstellen (benötigt also keinen Fernauslöser), sondern auch Videos drehen. Und durch das robuste Gehäuse ist die sensible Elektronik auch gegen eventuelle Abstürze gut gesichert.


