Kreative Selbstverteidigung
// September 16th, 2011 // Allgemein
Wohin auf die Toilette gehen, wenn man unterwegs ist? Während man vor einem Hotel auf seine Kundschaft wartet, ist die Sache vergleichsweise einfach. Vorausgesetzt natürlich, man benimmt sich und macht keinen Dreck, wird kein Hotel etwas dagegen haben, daß man deren Einrichtungen benutzt. Leider sind derlei simple Verhaltensregeln für manche Taxifahrer eine Überforderung, sodaß etwa das Le Meridien am Hauptbahnhof zu dem drastischen Schritt griff, Taxifahrern das Aufsuchen derer Räumlichkeiten zu untersagen. Wundert mich nicht. Ich sah einmal selbst, wie ein Kollege am Taxistand Bahnhof Süd direkt neben sein Fahrzeug urinierte – in SICHTWEITE der Kunden! Als eine Taxifahrerin ihn ob dieser Ungeheuerlichkeit ansprach, reagierte er mit Macho-Sprüchen. Na wunderbar.
Etwa am Hauptbahnhof haben wir seit einiger Zeit diese kommerziellen Toiletten-Anlagen, wo teils hinter einem Tresen Personal bereit steht, das sogar mit frischen Handtüchern für die ebenfalls verfügbaren Duschen aufwarten kann. Ein Toilettenbesuch kostet dort irgendwo zwischen 70 Cent und einem Euro. Für mich ein zumutbares Opfer, das man für Zivilisiertheit und Sauberkeit erbringt – denn die Toiletten dort sind WIRKLICH sauber! Ich zahle doch lieber ab und an mal so einen Groschen-Betrag, und genieße auch DIESEN Part meines Tages, als mich über die bodenlosen “öffentlichen” Alternativen zu ärgern, und mir gegebenenfalls noch eine Krankheit einzufangen – zum “Gewinn” von maximal einem Euro!
Unterwegs in fremden Gegenden bleibt einem jedoch meist nur, eine Tankstelle aufzusuchen. In aller Regel wird einem dort dann ein Schlüssel ausgehändigt, der an sperrigem Gerät befestigt ist, auf daß man den Schlüssel nach Toilettennutzung nicht versehentlich einsteckt und damit losfährt. Tja, und dann kommt die “Kinderüberraschung”: Sauber, oder ein Desaster? Alleine darüber könnte ich mittlerweile ein Buch schreiben. Es ist für mich mittlerweile wirklich so, daß der Zustand der Toilette das Ansehen definiert, das eine Tankstelle bei mir genießt. Da gibt es großartige “Ausnahmen” – und leider IST es die Ausnahme, daß eine Tankstellentoilette wirklich einladend ist. Und es gibt diverse Ausreißer nach ganz unten: Herausgebrochene Türklinken, quietschende Scharniere, viel zu kleine Wasserhähne, Boiler, die einem beim Waschen die Hände verbrennen. Und natürlich fehlende Haken, an die man im Winter seine Jacke hängen kann. Wohin dann damit? Auf den versifften Boden vielleicht? Und so weiter, und so fort.
Klar ist ein Riesen-Faktor auch der Kunde selbst: Aus eigener Beobachtung kann ich sagen, daß sich wohl mindestens 30% der Männer nach dem Toilettengang nicht ihre Hände waschen (man lernt daraus, nach dem Händeabtrocknen mit dem Handtuch noch die Tür zu öffnen, bevor man es wegschmeißt). Steh-Piesler tun ihr übriges, was für die Nachnutzer oft eine kontaktfreie und körperlich herausfordernde Toilettensitzbenutzung erforderlich werden lässt. Ich kann also gut verstehen, warum es eine große Leistung ist, eine Kundentoilette in einem vorbildlichen Zustand zu halten – beziehungsweise, diesen zwischendrin immer wieder herzustellen!
Eine Allguth-Tankstelle im Münchner Südwesten hat jetzt allerdings zu einer Maßnahme gegriffen, die definitiv zu weit geht (siehe Foto oben) – ich warte darauf, ein indiskretes Video mit mir in der Hauptrolle auf YouTube wiederzufinden. Nee, aber mal im Ernst: Nirgendwo konnte ich die behauptete Kamera entdecken. Kurz überlegte ich, inwieweit sich mein Anwalt über diesen Fall als “gmaahde Wiesn” freuen würde, verwarf dann aber den Gedanken. Es handelt sich schätzungsweise um einen Scherz – wenn auch einen ziemlich dämlichen und unpassenden. EINEN positiven Nebeneffekt hatte dieser zugegebenermaßen aber: So fand ich eine der saubersten Toiletten einer Tankstelle vor, an die ich mich in der jüngeren Zeit erinnern kann. Ob das indes daran liegt, daß sich auf einmal die Kunden zusammenreißen, oder daran, daß diese Toilette schlichtweg nie aufgesucht wird, kann ich nicht sagen.




Hm, die Pointe wird nicht so ganz klar, weil Flickr das Foto nicht anzeigt.
@tom
Flickr KANN das Foto doch auch nicht anzeigen! Christian hat doch die Kamera fotografiert und die ist doch gar nicht da!
Danke Bernd und tom für den Hinweis! Sorry to keep you waiting for so long. War den ganzen Dohg uff Oobeet. ;o) Mir hat der von mir verwendete Browser Safari zwar den Artikel MIT Foto angezeigt – dann habe ich aber den Cache geleert, und plötzlich sah auch ich das Problem…
Jetzt sollte es aber klappen – der sanitäre Überwachungsstaat in seiner ganzen Pracht und in Technicolor.