Oktoberfest mit den Augen des Tieres

// September 18th, 2011 // Allgemein

 

HorseEye

Gestern fand der Einzug der Wiesnwirte statt, heute der große Trachtenumzug. Jedes mal sind ungeheuerlich viele Tiere mit dabei – von der Kaltblutrössern, die die Brauereigespanne ziehen, über die “Bayerisch Warmblut”-Pferde der berittenen Polizei bis hin zu Ochsen, die ein riesiges Holzfass auf einer Kutsche hinter sich herziehen. Gerade bei den sonst ja eher menschenscheuen Ochsen wunderte es mich, wie die das “auf einmal” unter zehntausenden Schaulustigen aushalten, mit plötzlich einsetzenden Tuschen der Kapellen, krachenden Goaßln der Goaßlschnalzer und der vollkommen veränderten Optik – statt Bauernhof, auf einmal Citylights. Ich habe mal den Ochsenführer gefragt, wie das denn möglich sei. Was er mir erzählt hat, fand ich sehr interessant.

So sagte er mir, Rinder sähen alles sieben mal größer als Menschen, weshalb ohne Training eine Kuh über ein kleines Loch in einem Gullydeckel “rüberspringen” würde – was natürlich mit einer Riesen Kutsche hinten dran zu Problemen führen kann. Man nutzt im Übrigen diesen Wahrnehmungseffekt, um Kühe mittels der theoretisch leicht zu überquerenden “Kuhgitter” in Feldwegen am Verlassen von Weidegrund zu hindern. Um an der Toleranz zu arbeiten, wird also trainiert. Auch an Gleise, etwa von Trambahnen, müssen die Rindviecher erst einmal langsam gewöhnt werden. Ohne solches Vertrautmachen würden sie sich ansonsten weigern, die Gleise zu überqueren. Natürlich stehen zusätzlich noch die ganzen möglichen Geräuschquellen auf dem Programm, und so weiter.

Der Ochsenführer war ein Meister seines Fachs, das war sofort zu sehen: Die riesigen, unbändig starken Tiere schmiegten sich in all dem Tohuwabohu ganz sanft mit dem Kopf dicht hinter seinen Rücken, um dort Schutz und Zuflucht zu finden. Der Mann erzählte mir, Grundlage sei es eben, “die Sprache der Tiere zu verstehen”. Oft würden Leute ihn belächeln, wenn er so spräche. Mir brauchte er dazu jedoch nichts zu sagen. Ich verstehe EXAKT, was er damit meint. Trotz intensiven Bemühens verstehe ich zwar die Sprache der Rinder bislang nur in sehr geringem Umfang, wohl aber die der Hunde, sowie die davon wiederum sehr unterschiedliche Sprache der Katzen. So hat mich einmal eine Katze in einem Haus, in dem ich wohnte extra “abgeholt”, um mich bis zu ihrem Nest unter dem Dachgiebel zu führen, damit ich bei der Geburt ihrer Katzenkinder dabei wäre, die unmittelbar daraufhin einsetzte. Das war eine große Ehre für mich, und ich habe viel dabei gelernt.

Auf dem gestrigen Trachtenumzug ebenfalls nett anzuschauen war ein Bayer mit einem sehr eindrucksvollen und kunstvoll drapierten Bart, der natürlich auch in voller Tracht daherkam – und mit zwei Zamperln in Gestalt ordentlicher Langhaardackel bei sich – wie sich das hierzulande gehört eben! Das Dreigespann wurde wieder und wieder ausgiebig von den Passanten abfotografiert, und mir kam es dabei ganz so vor, als würden für die Fotos sogar die Hunde mitspielen. “Da dürfen die Hunterl heute aber LANGE stillhalten”, sagte ich zu deren Besitzer. ”Ja”, meinte der, “die wissen GANZ GENAU, wann sie fotografiert werden, das sind Profis vor der Kamera”. Ohne die Tiere wäre der gesamte Trachtenumzug weniger als halb so schön, finde ich! Obwohl mir der Alkohol-MISSbrauch auf dem Oktoberfest mittlerweile sehr stark auf die Nerven geht – auf die zwei Umzüge am ersten Wochenende freue ich mich Jahr für Jahr auf´s Neue – auch wegen ihrer Tiere!

 

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