Corporate Fascism – Demokratie als Farce
// November 10th, 2011 // Allgemein
Aktuelle Bilder aus Amerika:
Manchmal scheint es mir so, als lebte man in Deutschland medientechnisch in einer Seifenblase. Gut, über manche Themen, wie etwa zu Umweltfragen oder auch zur Atomkraft wird hierzulande mittlerweile sehr viel hartnäckiger nachgefragt, und weitaus wirklichkeitsbezogener berichtet als in manch anderen Industrienationen. Aber beispielsweise was die Berichterstattung über Amerika anbelangt – immerhin eine der mächtigsten Nuklearnationen der Erde – sieht man oft abgrundtiefen Dilettantismus. So wurde die himmelschreiende Oberflächlichkeit und das groteske Weltbild jener Frau, die jüngst um ein Haar Vizepräsidentin der USA wurde, Sarah Palin, in Deutschland erst wirklich “entdeckt”, als der gesamte Wahlkampf bereits gelaufen, und Obama President war. Ganz so, als wären solche schicksalsschweren Umstände völlig unerheblich.
Ähnlich läuft es jetzt mit den Berichten über das “Occupy”-Movement: Es geht damit los, daß etwa die in den USA nach wie vor tonangebenden Republikaner wieder und wieder damit charakterisiert werden, daß sie “gegen Steuererhöhungen” seien. Das ist zwar inhaltlich nicht falsch, dennoch grob irreführend. Denn in den bisherigen Debatten ging es gar nicht um Steuererhöhungen. Es ging nicht darum, daß JEDER betroffen sein würde. Und es ging lediglich darum, der privilegierten, stinkreichen Elite in Amerika, der jedoch fast alles gehört ein paar STEUERSCHLUPFLÖCHER ZU SCHLIESSEN. Es ist nämlich in Amerika heute so, daß sich die mit den finanziell breiten, sehr breiten bis ultrabreiten Schultern gemütlich ausruhen dürfen, während die unteren Schichten voll belastet werden. In der Wirtschaftskrise etwa wurden die Bänker MIT STEUERGELDERN rausgehauen. Milliarden davon mußten sie nie zurückgeben. Gleichzeitig wird bei den unteren Klassen brutal an allen Ecken und Enden zusammengestrichen.
Doch selbst dieses armselige Ansinnen – der teilweise Abbau von Privilegien für Leute, die diese GAR NICHT NÖTIG HABEN, ist den rechtskonservativen Fanatikern bei den Republikanern bereits ein dermaßenes Tabu, daß sie sich ihm kategorisch und mit aller Macht verweigern, und mit abstrusen Beschimpfungen reagieren, die das gegnerische Lager mal als Sozialisten (in Amerika fast so schlimm, wie wenn man einen Deutschen Nazi nennt), Antisemiten, arbeitsscheues Gesindel, Hippies und so weiter zu verunglimpfen suchen. Dabei ist seit Ronald Reagan in Amerika die Schere zwischen Arm und Reich kontinuierlich auseinandergegangen. Und genau dieser Trend wurde hauptsächlich durch Amerikas Konservative jahrzehntelang verstärkt. Hier dazu ein sehr anschauliches Video:
Das Occupy Movement richtet sich gegen jene Ungerechtigkeit, jene Ausbeutung, und nicht zuletzt gegen die mehr und mehr in ihrer ganzen Tiefe sichtbar werdenden Korrumpiertheit nicht nur der Republikaner, sondern auch der Demokraten. Denn niemand kann es sich leisten, auf die “großzügigen” Wahlkampfspenden von Interessenvertretern der Wirtschaft zu verzichten. Andernfalls wird man einfach nicht gewählt. Studien haben bewiesen, daß FAST IMMER der einen Wahlkampf gewann, der über das meiste Geld für Werbung verfügte. INHALTE sind dem offensichtlich im Wahlkampf unterlegen. Und dieses Geld bekommt man von Wirtschaftsvertretern nicht ohne Gegenleistung. Das wird wohl auch der Grund sein, warum Präsident Obama, der sich ja im Wahlkampf befindet schweigt, während in seinem Land schwergepanzerte Spezialkräfte unbewaffnete Studenden zusammenschlagen.
Es sieht so aus, als ob sich in Amerika die Lage zuspitzt. Nicht nur, weil die Mittelklasse allmählich ausstirbt, und junge Leute ohne reiche Eltern kaum mehr eine Chance auf Ausbildung und Beruf haben. Sondern auch, weil das von politischen Interessen geradezu verseuchte Justizwesen vor kurzem entschied, Konzernen “Menschenrechte” einzuräumen (man stelle sich den Unfug vor). Gleichzeitig sind aber natürlich Konzerne keineswegs haftbar wie ein Mensch. Sie erhalten also die Rechte, ohne mit den Pflichten weiter behelligt zu werden. Es ist nun in Amerika seit einem vor wenigen Jahren gefallenen Gerichtsurteil Konzernen ausdrücklich gestattet, VERDECKT mit monströsen Zahlungen in die Politik einzugreifen.
Der politische Einfluss der Wirtschaft war ja schon bisher sehr groß. Jetzt geht er auch noch perfide und formal legal auf Tauchkurs, ähnlich einem U-Boot, von dem man nicht wissen kann, wo es als nächstes zuschlagen wird, und welchen der Politiker es im Vorfeld abgeschmiert hat. Der dann vielleicht NACH der Wahl, wie Obama, eine ganz andere Politik bringt, als er dem Wähler gegenüber angekündigt hatte. Leider haben die Konzerne nicht nur die Politiker in der Hand, sondern auch große Teile der durch Massenmedien verblödeten Landbevölkerung. Es wundert daher nicht, daß die aktuellen Proteste hauptsächlich in größeren Städten auftreten, dort also, wo die Menschen überdurchschnittlich gut informiert sind.
Dies sind Bilder der Proteste in Oakland, wo neben Gummigeschossen auch Blendgranaten wie im Krieg zum Einsatz kamen. Einer der Demonstranten wurde aus nächster Nähe mit solch einer Granate in den Kopf geschossen. Er erlitt eine Schädelfraktur, und landete mit einer lebensgefährlichen Gehirnschwellung auf der Intensivstation.
Hier wird, ebenfalls in Oakland, ohne Vorwarnung mit einem Gummigeschoss auf einen Demonstranten geschossen, der sich zuvor extra ZWEI MAL erkundigt hatte, ob der Abstand zur Polizei auch ja in Ordnung sei.
Amerika, das seit einem längeren Aufenthalt während meiner Schulzeit zu meiner zweiten Heimat geworden ist, wünsche ich alles Gute. Es ist ein interessantes Land, in dem es bei den “einfachen Leuten” nach wie vor viel Idealismus, Pioniergeist und Selbstbewusstsein gibt. Die größte Schwäche Amerikas ist aus meiner Sicht, daß die GUTEN Leute, obwohl durchaus zahlreich vorhanden, in der Tagespolitik so gut wie keinen Einfluß mehr haben. In einem Zwei-Parteien-System, deren eine sich selbst durch absolut bodenlose Kandidaten selbst disqualifiziert, hat ein Wähler nicht mehr wirklich die Wahl, da ja nur noch ein “Kandidat” als wählbar übrigbleibt. Und so bleibt es auch logischer Weise ohne Folgen, daß der amtierende Präsident Barack Obama fast alle seiner Wahlkampfversprechen gebrochen hat, inklusive einer Wirtschaftspolitik, die dem oberen Ende der Gesellschaft ein weiteres Mal den klaren Vorzug vor dem Rest der Bevölkerung gibt.
Seltene Helikopter-Aufnahmen eines Protestzuges Anfang November, bei der “zufällig” keiner der großen U.S.-amerikanischen Fernsehsender mit Kamerateams vor Ort war, und deren Teilnehmerzahl viele Mainstream-Medien mit “ungefähr Dreitausend” angaben. Jeder Laie kann sehen, daß es sich in Wahrheit um ZIG-TAUSENDE Menschen handelt.
Doch bei all den Geschichten aus Amerika denke ich, daß es bei uns in vielen Dingen sehr, sehr ähnlich zugeht. Das zunächst erfolgreiche Komplott der deutschen Atom-Clique, Medienlandschaft und Politik zu unterwandern um den Atomaussteig rückgängig zu machen wurde ja erst vor wenigen Tagen aufgedeckt. Es hätte die Verseuchung ganzer Landstriche zur Folge haben können. Und etwa bei den Berichterstattungen zu Griechenland wird auch wieder und wieder unterschlagen, daß viele Griechen sich KEINESWEGS der Reform und den notwendigen Maßnamen verschließen – sondern sie es verständlicher Weise einfach nur satt haben, daß nur “die Normalsterblichen” ihre Opfer bringen sollen – und zum Teil SEHR GROSSE Opfer, die bis hin zum Existenzverlust reichen können – während zur selben Zeit die Wohlhabenden, die in vielen Fällen ganz zentral am Kollaps dieses Staates beteiligt waren, ohne jegliche Konsequenzen ihr gesamtes Vermögen in´s Ausland abziehen können, wo sie, wie zum Beispiel aktuell in London – damit ganze Luxusquartiere zusammenkaufen.
Zum Schluß noch etwas Erbauliches:









Das war noch nie da in einer bürgerlichen Demokratie, daß die Armen reicher und die Reichen Ärmer werden. Gelingt eine Ausnahme, und ein Tellerwäscher wird Millionär, wir das gleich als Alibi hervorgezeigt.
Die Schere zwischen arm und reich geht in diesem System immer auseinander. Nur bei einer einschneidenden Vernichtung oder Umverteilung der Produktionsmittel werden die Karten neu gemischt.
Im Kapitalismus herrscht das Kapital – nicht nur in den USA.
Die Pharmaindustrie hatte ihren Helmut Kohl, die Erdgaslobby hat ihren Gerhard Schröder, die Banken haben ihre Angela Merkel und jetzt auch ihren Monti in Italien.
Mövenpick hat sich bei der F.D.P. die 7 % Mehrwertsteuer bestellt – und auch bekommen. Zur Stunde lullen die Gelben die Kleinbürger auf dem Sonderparteitag in Frankfurt / Main mit liberalen Ideen voll.
In Notzeiten des Kapitals wird aus der Demokratur Faschismus. Ich hoffe das wir das nicht erleben müssen und die Geschehnisse, die in deinen Videos gezeigt werden, noch viele Jahre eine Ausnahme blieben.
Hallo Reinhold.
Ich denke, Du hast einerseits inhaltlich Recht im Hinblick auf gewisse Trends, die sich in der Vergangenheit immer wieder beobachten ließen. Wo ich jedoch anderer Meinung bin, ist daß solche Entwicklungen quasi ein “Naturgesetz” seien, aus dem es kein Entrinnen gäbe. Das war auch, was mich an den Ideologien vor dem Entstehen der Sowjetunion störte: Klar ist es so, daß bestimmte Dynamiken zwischen Arm und Reich sozusagen “aus sich selbst heraus” entstehen. So ist etwa beim Armen fast sein ganzes Vermögen gebunden – er kann also damit wenig anfangen in Punkto Wertschöpfung. Der Reiche hingegen ist meist deutlich liquider, und kann somit sein Geld zu meist sehr guten Zinssätzen “arbeiten lassen”. Alleine das kreiert schon einen Trend, der sich zum Nachteil des “Armen” auswirken kann (denn im Zweifelsfalle ist ER es, der dem Reichen die Zinsen zahlt…). Alle solche Trends liessen sich jedoch mittels geeigneter Gesetzgebung abfangen. Und es ist nur eine Frage der Reife der Menschheit, ob sie es schafft, den Reichen in seinen Talenten möglichst ungezügelt walten zu lassen einerseits, während sie dafür Sorge trägt, daß der Ärmere hierdurch nicht “plattgewalzt” wird andererseits. Übrigens war in den USA, wo es derzeit so abgeht, nach dem Zweiten Weltkrieg über JAHRZEHNTE so, daß Arm und Reich einigermaßen fair nebeneinander her gelebt haben. Verdienten die Reichen mehr, so erhielten auch die Ärmeren ihren fairen Anteil. Angemessene Steuern sorgten zudem dafür, daß der Erfolg der Reichen sich auch in besserer Förderung der nicht so Reichen, etwa durch Bildungsausgaben niederschlug. Erst seit Ronald Reagan fing dieser Zustand an, sich zu Gunsten einer perversen, und zunehmend immer massloser gierigen Ausbeutung durch eine immer reichere Oberschicht zu wandeln. Keine Ahnung, was da passiert ist. Auf jedenfalls ist da EINIGEN Eliten der USA die Sicherung durchgeknallt. Wie schon in einem der obigen Videos gesagt, nutzt das im Endeffekt selbst den Reichen nicht. Doch wie man sieht, macht mehr Geld halt nicht zwangsläufig intelligenter oder weiser. Manche dieser Dummköpfe werden es wohl erst kapieren, wenn ihnen der Laden um die Ohren fliegt.
Christian
einerseits stimmt es sicherlich, dass Obama viele seiner Wahlversprechen nicht durchsezen konnte. Man muss – finde ich – allerdings bedenken, dass weitreichende Entscheidungen, z. B. Krankenversicherung für alle, auch immer durch die Ländermehrheiten gebracht werden müssen und da dort größtenteils die Republikaner sitzen, ist klar, dass solche Dinge nur mit großen Kompromissen oder garnicht durchzusetzen sind. Gruß Mariha
@ Mariha:
Zunächst mal: Ich habe (mit meinen bescheidenen Mitteln) Obama 2008 “aus allen Rohren” unterstützt, die mir zur Verfügung standen. OK, dazu stehe ich zwar auch JETZT noch, denn eine Kandidatin wie Sarah Palin nur Zentimeter vom “Red Button” zu haben, das wäre einfach zu krass.
Dennoch halte ich mittlerweile Obama für einen Blender. Er hält SUPER Reden. Doch wenn es um´s TUN geht, hat er auf einmal so wenig in der Hose, daß es in meiner Welt eigentlich kein “Zufall” mehr sein kann – will sagen, er spielt eventuell ein doppeltes Spiel: Die “Netten” mit schönen Worten einlullen, dann die Arbeit der Bösen tun, damit man nicht aneckt.
Auf solch Potemkin´sche Dörfer in der Politik habe ich keinen Bock. Wenn einer was will , soll er es tun. Und wenn einer etwas sagt, dann soll er sich auch daran halten.
Alles Andere ist Irreführung und Manipulation. Und dem in der Politik ja erfahrenen (und sicher auch intelligenten) Obama würde ich solche Täuschungsmaneuver durchaus zutrauen. Meines Erachtens hätte er, eben wenn er es GEWOLLT hätte, die Republikaner mit Links in die Knie zwingen können – schlichtweg, indem er die Kommunikationskanäle nutzt, die ihm als Präsident zur Verfügung stehen:
Er hätte der amerikanischen “Normalbevölkerung” aufzeigen können, welche Art von Politik die Republikaner betreiben, und was dies fernab der Propaganda für den Durchschnittsamerikaner WIRKLICH bedeutet. Das hat Obama nicht getan. Wie gesagt: So etwas kann fast kein Zufall mehr sein.